Zurechnung von Umsätzen eines Ehepaars bei eBay-Verkäufen unter einheitlichem Nickname

Veröffentlicht am von - Kategorie: Umsatzsteuer

Das Finanzgericht Baden-Württemberg (Urteil vom 19.12.2013 – 1 K 1939/12, Pressemitteilung des FG BaWü vom 14.05.2014) hat entschieden, dass die Umsätze im Rahmen von eBay-Versteigerungen im Regelfall von demjenigen umsatzzuversteuern sind, der gegenüber eBay als Inhaber des Nutzerkontos auftritt. Dies gilt auch, wenn mehrere Personen unter dem gleichen Pseudonym (sog. „Nickname“) des Nutzerkontos aktiv sind.

Im vorliegenden Fall verkaufte eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), bestehend aus einem Ehepaar, über eBay Hunderte von Gegenständen, die entweder beiden Eheleuten oder jeweils dem einen oder anderen Ehepartner zuzuordnen waren, unter dem Nickname des Ehemanns. Das Finanzgericht sah die Verkäufe wegen der Überschreitens des Kleinunternehmergrenzbetrags als umsatzsteuerpflichtig an und zog letzten Endes den das Nutzerkonto formal führenden Ehemann als Steuerschuldner heran. Die zunächst gegen die GbR gerichteten Umsatzsteuerbescheide mussten aufgehoben werden.

Das Finanzgericht entschied abweichend vom Finanzamt, dass der leistende Unternehmer aus Sicht des sog. objektiven Empfängerhorizonts nur derjenige sein könne, der als Inhaber des Nutzerkontos angegeben sei. Handlungen des Verkäufers, die erst nach dem Versteigerungsprozess erfolgten (Versand von Bestätigungsschreiben und Waren), seien für die zivil- und umsatzsteuerrechtliche Bestimmung des leistenden Unternehmers in der Regel nicht relevant.

Für die betriebliche Praxis bzw. für den privaten Hausgebrauch ist daraus abzuleiten, dass von Anfang an der Fokus bei umfangreichen Aktivitäten auf Online-Auktionsplattformen darauf gerichtet sein muss, genau zu prüfen, wer bzw. wie viele Personen/Rechtsträger als Verkäufer agieren. Für jeden einzelnen ist ein gesondertes Nutzerkonto einzurichten. So kann möglicherweise das Überschreiten des Kleinunternehmergrenzbetrags und damit die Umsatzsteuerpflicht der Onlineumsätze vermieden werden. Für jeden so Registrierten gilt des Weiteren alle auf ihn laufenden Nutzerkonten in einer Gesamtschau zu würdigen. Einzelunternehmer müssen diese Gesamtschau unter Einbezug ihrer übrigen Weltumsätze anstellen. Wir stehen gerne zur Verfügung, die Sie individuell betreffende Variante zu durchleuchten.

Dr. Mario Wagner

Dr. Mario Wagner

Steuerberater, Partner bei Schomerus & Partner

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