Tagged: Indien

Indien: Kurzfristige Einführung der GST stellt Unternehmen vor große Herausforderungen

Veröffentlicht am von - Kategorie: Umsatzsteuer

GST

Laut dem Fahrplan der Regierung soll nach mehrfacher Terminverschiebung am 1. Juli 2017 die landesweite Mehrwertsteuer in Indien eingeführt werden: die Goods and Services Tax (GST). Indien steht somit kurz vor der größten Steuerreform seit seiner Unabhängigkeit 1947. Nachdem der Gesetzesentwurf von den beiden Parlamenten Anfang April 2017 final verabschiedet worden ist, steht nun als letzter Schritt die Zustimmung der 28 Staaten Indiens aus, wobei einzelne Staaten das Gesetz bereits verabschiedet haben.

Indien vollzieht mit der Einführung der GST eine grundlegende Reform seines Umsatzsteuersystems. Neu ist die erstmalige Einführung einer einheitlichen Umsatzsteuer, die einer Allphasennettoumsatzsteuer ähnelt, für den Verkauf von Gütern und die Erbringung von Dienstleistungen in ganz Indien. Die GST wird den auf der jeweiligen Handelsstufe geschaffenen Mehrwert besteuern und grundsätzlich nur, ähnlich der deutschen Umsatzsteuer, den Endverbraucher belasten. Die Reform äußert sich in der Ablösung zahlreicher bestehender (lokaler) Einzelsteuern, die bisher auf Ebene der Bundesstaaten und der Zentralregierung erhoben werden. Diese sollen zum Großteil durch die GST ersetzt und folglich in ein landesweit einheitliches System implementiert werden. Ausnahmen von der einheitlichen Steuer ergeben sich unter anderem bei Gütern wie Alkohol, Immobilien und Elektrizität, über deren Steuersatz weiterhin bundestaatsintern entschieden werden soll.

Die GST wird technisch in drei Komponenten aufgeteilt sein: C(-entral)GST (Steuer der Zentralregierung), S(-tate)GST (Steuer der Bundesstaaten) und I(-ntegrated)GST (übergreifende Steuer). Die Trennung dieser drei Teilelemente ist in Hinblick auf den Vorsteuerabzug essenziell. So lässt die CGST-Berechnung gezahlte CGST und IGST, die SGST-Berechnung gezahlte SGST und IGST und die IGST-Berechnung alle drei Formen zum Abzug zu. Zudem ist der Ort der Leistung ausschlaggebendes Kriterium dafür, welche der drei Steuern auf eine Leistung Anwendung finden wird. Dieser wird bei Warenlieferungen grundsätzlich der Ort sein, an dem die Warenbewegung endet, bei Dienstleistungen der Ort des Leistungsempfängers.

Vorgesehen sind zum einen etwa eine Kleinunternehmerregelung, die einen Schwellenwert von umgerechnet etwa 28.000 € vorsieht, sowie eine Steuerbefreiung für Exporte von Gütern und Dienstleistungen. Vorgesehen ist zum anderen eine gemeinsame IT-Infrastruktur für die Staaten und den Zentralstaat, die unternehmensgerechte und unbürokratische Lösungen ermöglichen soll. So soll beispielsweise die adäquate Erfassung und korrekte Gewährung des Vorsteuerabzugs durch vorherige EDV-technische Prüfung beim Finanzamt erfolgen.
Der Starttermin zur finalen Implementierung des Umstellungsprojektes wird angesichts der komplexen Anforderungen und verbleibenden Fragen mit Spannung erwartet – von der Einführung der GST zum 1. Juli 2017 ist allerdings auszugehen. Ein enger Zeitplan, der eine zusätzliche Herausforderung für die bevorstehende Umsatzsteuerreform darstellt.

Fazit: Die – wenige bis zum 1. Juli 2017 – verbleibende Zeit sollte von betroffenen Unternehmen genutzt werden.

E-Commerce-Ticker – Wissenswertes zum Jahreswechsel 2016/2017

Veröffentlicht am von - Kategorie: E-Business, Umsatzsteuer

Ausgewählte umsatzsteuerliche Änderungen in Indien, Italien, Polen und Rumänien, die insbesondere für den E-Commerce von Bedeutung sind:

In Indien erbrachte elektronische Dienstleistungen

Bereits zum 1. Dezember 2016 ist der Begriff der elektronisch erbrachten Dienstleistungen (eeD) deutlich erweitert worden. Demnach sind sowohl eeD, die unmittelbar erbracht werden, als auch über Portale/Marktplätze/Webseiten erbrachte in Indien steuerbar.  Da für eeD im B2B-Verhältnis das Reverse Charge-Verfahren (=Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers) greift, müssen sich ausländische Leistende in Indien nicht für umsatzsteuerliche Zwecke registrieren lassen. Soweit ausländische Unternehmer eeD an Endverbraucher (B2C) in Indien erbringen, hat dies zur Folge, sich in Indien für umsatzsteuerliche Zwecke registrieren lassen, die Steuer vereinnahmen und abführen zu müssen. Die Regelungen ähneln im Großen und Ganzen den in Deutschland/in der EU zum 1. Januar 2015 eingeführten.

Pflicht zur vierteljährlichen Umsatzsteuererklärungen in Italien

Ab 2017 wird die Umsatzsteuer-Jahreserklärung verpflichtend durch die Abgabe vierteljährlicher Umsatzsteuererklärungen ersetzt. Die Abgabefrist endet jeweils zum Ende des dem zu erklärenden  Quartal zweiten Folgenmonats (z.B. für Q1/2017 zum 31. Mai 2017). Fristüberschreitungen sind strafbewehrt mit bis zu EUR 50.000. Unabhängig von den Erklärungsfristen gilt weiter, dass die Umsatzsteuerzahlungen bis jeweils spätestens zum 16. des Folgemonats zu erfolgen haben. Für 2018 ist eine Erhöhung des Regelsteuersatzes von 22 % um 2 % auf dann 24 % im Gespräch.

Zwangsderegistrierung in Polen infolge von Nullumsätzen

Eine Deregistrierung wird ab 2017 von Amts wegen eingeleitet, wenn in Polen für umsatzsteuerliche Zwecke registrierte Unternehmen mehr als sechs Monate keine in Polen steuerbaren Eingangs- und Ausgangsumsätze haben.  Zudem werden Strafzuschläge eingeführt, die erhoben werden, wenn die polnische Umsatzsteuer verkürzt wird (zu wenig Umsatzsteuer und/oder zu hoher Vorsteuerabzug). Die Strafzuschläge betragen 20 %, 30 % oder 100 % der Umsatzsteuerschuld.

Senkung des rumänischen Regelsteuersatzes

Der Regelsteuersatz in Rumänien beträgt ab dem 1. Januar 2017 19 % (Senkung um 1 % von bisher 20 %). Der rumänische Steuersatz ist damit – zusammen mit dem deutschen – hinter dem Luxemburger und Malteser Regelsteuersatz der drittgünstigste/-attraktivste in der EU.


Weitere Artikel zum Thema ‚Umsatzsteuer International‘: