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eCommerce-Ticker – Wissenswertes zum Jahreswechsel

Veröffentlicht am von - Kategorie: E-Business, Umsatzsteuer

Das ändert sich 2016

Zum Jahreswechsel ergeben sich auf europäischer Ebene zahlreiche steuerliche Änderungen, die von eCommerce- und eBusiness-Unternehmen berücksichtigt werden müssen.

In Frankreich stehen beispielsweise mehrere Änderungen an. Die für eCommerce- und eBusiness-Unternehmen Bedeutsamste ist die Senkung der Lieferschwelle für Versandhandelslieferungen. Diese soll zum 1. Januar 2016 von 100.000 Euro auf 35.000 Euro herabgesetzt werden. Die Konsequenz bei Überschreitung dieser Schwelle ist, dass eine umsatzsteuerliche Registrierung in Frankreich notwendig ist. Sollte diese Änderungen im französischen Gesetzgebungsprozess in dieser Form angenommen werden, würden darüber hinaus die erzielten Einkünfte bis zum 31. Dezember 2015 als Kriterium für die umsatzsteuerliche Registrierung herangezogen werden. (Online-)Versandhändler, die derzeit Umsätze nach Frankreich erbringen sollten daher dringend prüfen, ob eine umsatzsteuerliche Registrierung notwendig werden wird.

Bereits zum 1. Dezember 2015 gilt grundsätzlich für alle in Frankreich umsatzsteuerlich registrierten Unternehmer das elektronische Lastschriftverfahren (SEPA) verpflichtend, sofern diese Unternehmer Bankkonten innerhalb Europas nutzen. Folglich müssen hier Unternehmer, die die Lieferschwelle für 2016 reißen, auch diese Änderung berücksichtigen.

In Dänemark wollen Finanzbehörden auf die Suche nach Steuersündern gehen. Passiert das Gesetzesvorhaben den dänischen Gesetzgebungsprozess, wird den Finanzbehörden erlaubt Daten von Banken und Kreditkartenunternehmen zu erheben, um ausländische Unternehmer aufzuspüren, die in Dänemark steuerbare Umsätze generiert, sich aber der steuerlichen Erfassung entzogen haben. Dies betrifft vor allem Versandhändler und Erbringer elektronischer Dienstleistungen. Prüfen Sie also, ob Sie betroffen sein könnten, denn die technischen Mittel zur Erhebung und Auswertung besitzen die dänischen Behörden bereits.

Auch in anderen Ländern ergeben sich zahlreiche Veränderungen:

  • Die in Italien geplante Mehrwertsteuererhöhung wird um ein Jahr verschoben. So sollen erst ab dem 1. Januar 2017 der Regelsatz von 22 % auf 24 % und der ermäßigte Satz von 10 % auf 12 % steigen.
  • In Rumänien wird dagegen ab dem 1. Januar 2016 der Regelumsatzsteuersatz von 24 % auf 20 % gesenkt. Außerdem ergeben sich Änderungen im Reverse Charge-Verfahren. Dabei sollen Lieferungen integrierter Schaltkreise betroffen sein.
  • Zum kommenden Jahr gibt es auch in der Slowakei Änderungen beim Reverse-Charge-Verfahren. Es wird auf Warenlieferungen von nicht in der Slowakei ansässigen Unternehmen erweitert, sofern der Abnehmer ein in der Slowakei ansässiger Unternehmer ist.
  • In Ungarn müssen Rechnungsinformationen ab dem 1. Januar 2016 im XML-Format abrufbar sein. Das heißt, dass eingesetzte Fakturaprogramme dieser Anforderung gerecht werden müssen.
  • Das XML-Format ist auch in Tschechien Dort müssen ab Jahresbeginn neben den Umsatzsteuererklärungen zusätzlich Kontrollerklärungen abgeben werden. Diese Kontrollerklärungen müssen in eben diesem XML-Format an die Finanzbehörden übermittelt werden. Diese elektronisch einzureichenden Kontrollmeldungen müssen folgende Angaben enthalten: Steuer- oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, Rechnungsnummer, Bemessungsgrundlage, Umsatzsteuer, Steuerentstehungszeitpunkt und Forderungsabschreibungen.
  • In Österreich erhöht zum 1. Januar 2016 sich für einige Produkte und Leistungen der reduzierte Steuersatz von 10 % auf 13 %. Dazu zählen u.a. Inlandsflüge, künstlerische Aufführungen oder Schwimmbadbesuche. Zum 1. Mai 2016 betrifft diese Erhöhung dann auch die Vermietung von Wohn- und Schlafräumen.
  • Auch Norwegen erhöht zum 1. Januar 2016 seinen reduzierten Steuersatz um 2 %-Punkte auf 10 %. Davon sind Beförderungsleistungen, Veranstaltungstickets und TV-Lizenzen betroffen.

Haben Sie Rückfragen oder Klärungsbedarf stehen wir Ihnen und die Partner unseres internationalen Netzwerks HLB gerne zur Seite.

Elektronische Archivierung – Kostensenker oder Risikotreiber?

Veröffentlicht am von - Kategorie: E-Business

Elektronische Archivierung – Kostensenker oder Risikotreiber?Die von der Bundesregierung initiierte und vom Finanzministerium koordinierte Arbeitsgruppe „Einfacher Steuern zahlen“ hat sich unter der Leitung des Statistischen Bundesamtes und in Zusammenarbeit mit Wirtschaftsverbänden der elektronischen Archivierung von Unternehmensdokumenten angenommen.

Zielsetzung dieses Vorhabens war es, Maßnahmen und Konzepte anzustoßen, die bei Unternehmen zur Entlastung durch Reduktion von Bürokratiekosten führen sollten. Ausgangspunkt war die These, dass die unwirtschaftliche Aufbewahrung von Belegen und Unterlagen insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) wesentlicher Kostentreiber ist.

Im Rahmen einer Untersuchung befasste man sich deshalb mit vermeintlichen Hindernissen, die einer Verbreitung der elektronischen Archivierung entgegenstünden. Ergebnis war, dass es notwendig sei, die Kultur des elektronischen Datenaustausches zu fördern, indem ein rechtssicherer Rahmen geschaffen würde und die Verantwortlichen durch Fachinformation überzeugt werden müssten. Es herrsche auch bei vielen eCommerce-KMU und deren Beratern ein Zustand vor, der höchstens Ansätze von Digitalisierung und Automatisierung erahnen ließe. Lediglich in Branchen mit hohem Margendruck oder schon vorangeschrittener Massendatenverarbeitung sei der Grad der Digitalisierung und Automatisierung höher. Der Bereich der Archivierung, auch aus steuerrechtlicher Sicht von höchster Bedeutung, werde jedoch einer geringen Bedeutung beigemessen. Zudem wären unvollkommene Lösungen, fehlende Kompetenzen sowie Fragen der Rechtssicherheit von großer Bedeutung. Insgesamt überwögen jedoch die Vorteile gegenüber den Nachteilen.

Auch wenn Kritiker die elektronische Archivierung als weiteren Schritt zur Erleichterung der digitalen Betriebsprüfung wahrnehmen, lassen sich digitale Entwicklungen in der Wirtschaft nicht aufhalten. Der Grad der Standardisierung kann mit zertifizierter Software und klugen Archivierungslösungen Zeit und Kosten sparen. Gerade eCommerce-Unternehmen besitzen oftmals ein Einsparungspotenzial und vermeiden durch Digitalisierungsprozesse Mehrarbeit.

Die Fortentwicklung des elektronischen Rechnungsstandards „ZUGFeRD“ (vgl. BLOG-Artikel von Dr. Mario Wagner) wird dazu beitragen, dass die Attraktivität des rein digitalen Rechnungswesens zunehmen und eine gute, geprüfte elektronische Archivierung notwendig werden wird. Auch die Veröffentlichung der GoBD (Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff) durch die Finanzverwaltung stellt bereits einen weiteren Schritt zur vollkommen elektronischen Abwicklung des Rechnungswesens dar. Diesen Veränderungen werden zu Herausforderungen auf unterschiedlichen Ebenen der IT- und Tax-Compliance führen.

Fehler- und Betrugspotential im eCommerce erkennen mit Datenanalysen

Veröffentlicht am von - Kategorie: E-Business

eCommerce birgt erhebliche Fehlerpotentiale aufgrund des großen Hebels der Massentransaktionen, aber auch Betrugspotentiale aufgrund hochgradig arbeitsteiliger und aufwandsoptimierter Geschäftsprozesse.

Grundvoraussetzung für sichere und ordnungsgemäße IT-Geschäftsprozesse im Bereich des eCommerce sind die Kenntnis dieser Potentiale und entsprechend eingeleitete Maßnahmen zur Minimierung. Nachfolgend soll kurz auf die Situation bereits eingerichteter eCommerce-Prozesse eingegangen werden. In diesem Zustand bieten sich ein prozessintegriertes Monitoring/Controlling sowie nicht prozessintegrierte aber regelmäßig oder ereignisgesteuert durchgeführte Revisionshandlungen (Konzept-/Prozessdurchgänge und Datenanalysen) an.

Datenanalysen, die durch einen (prozess-)unabhängigen Experten durchgeführt werden mit dem Blickwinkel Aufdeckung von potentiellen Systemfehlern sowie von Kunden- und Mitarbeiterfraud können mit begrenztem Aufwand dazu beitragen, nachträglich mehr Sicherheit zu erlangen oder Hinweise zu erhalten, wie man Prozesse und Kontrollen optimieren kann oder ob man bestimmten Verdachtsmomenten vertieft nachgehen sollte.

Schwerpunktbereiche derartiger Datenanalysen wären z.B. Gutschriften/Retouren sowie Schwund und Inventurdifferenzen. Retouren/Gutschriften könnten beispielsweise nach Gutschriftshöhe, -grund, korrespondierenden Ausgangsrechnungen und Lagerbuchungen untersucht werden. Sehr interessant sind hier insbesondere Zeitreihen- und Niederlassungsbenchmarks sowie auch Wert- und Anzahlverteilungsanalysen z.B. der Gutschriftenhöhe. Ergeben sich hier Auffälligkeiten, kann unter Zuhilfenahme von weiteren Daten wie z.B. Wochentagen, Mitarbeiterkennungen oder Kundendaten weiter geforscht werden. Gut nutzbar für weitergehende Analysen sind auch Vergleichsdaten wie z.B. Umsätze einer Periode, Retourenquoten/Margenanalysen pro Kunde oder Artikel oder auch Lagerumschläge pro Artikel.

Der recht gut eingrenzbare Aufwand steht erfahrungsgemäß in einem sehr günstigen Verhältnis zu den gewonnenen Erkenntnissen.